Helfer mit Herz – Gottfried Klecker

Gottfried Klecker ist Gründungsmitglied der AWO Oberlausitz und war über 30 Jahre lang Mitglied im Kreisverband sowie in dessen Vorstand tätig. Anlässlich des 35-jährigen Jubiläums der AWO Oberlausitz in diesem Jahr durften wir ihm ein paar Fragen stellen.

AWO: Warum haben Sie sich bei der AWO Oberlausitz ehrenamtlich engagiert?

G. Klecker: Da muss man an die Wendejahre 1990/1991 zurückgehen. Der Landkreis bekam Pflichtaufgaben. Dazu gehörte eine quotierte Aufnahme von Asylbewerbern. Es gab dazu keinerlei Erfahrungen, und die Landkreisverwaltung war der Aufgabe nicht gewachsen. Es kam zu Konflikten und Missverständnissen in der Bevölkerung. Von couragierten Personen wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich dieses Thema annahm. Durch mein politisches Engagement während der friedlichen Revolution und meine Zuneigung für die schwächsten und ausgegrenzten Menschen in der Gesellschaft nahm ich an diesem Gesprächskreis teil.

Die AWO hatte in den Alt-Bundesländern gute Erfahrungen mit der Betreuung von Ausländern. Die Zittauer profitierten bereits davon, und so nahmen wir Kontakt auf. Im Juni 1991 wurde der Kreisverband der AWO Oberlausitz gegründet und übernahm als erstes Projekt das Asylheim des Kreises mit entsprechender Betreuung und Begleitung. Ich war Gründungsmitglied der AWO Oberlausitz und ging später in den Vorstand.

AWO: Welche Einrichtung oder Veranstaltungen der AWO Oberlausitz haben Sie unterstützt?

G. Klecker: In Oppach wurde ebenfalls ein Ortsverein der AWO gegründet. Ich wirkte bis zur Auflösung im Vorstand mit und war einige Jahre Vorsitzender. Wir hatten als Objekt  „Das Haus der Begegnung“ in der Obhut. Hier wurden täglich generationsübergreifende Veranstaltungen sowie Betreuung und Begleitung für verschiedene Gruppierungen angeboten, was im Ort sehr gut ankam. Ich habe damals in Oppach gewohnt, und somit war das für mich meine soziale Motivation vor Ort.

AWO: Welches Ereignis der letzten Jahre ist Ihnen am meisten in Erinnerung geblieben?

G. Klecker: An zwei Ereignisse erinnere ich mich noch gut und gern: Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der sächsischen Arbeiterwohlfahrt wurde mir 2015 in Großsedlitz die Ehrenmedaille für meine langjährliche Tätigkeit überreicht. Es war ein schöner Tag mit vielen interessanten Begegnungen.

2023 feierten wir in Löbau den Gesundheits- und Familientag auf dem Messegelände. Ich habe mich am Infostand beteiligt. Es war eine gelungene Veranstaltung mit vielen interessanten Darbietungen.

AWO: Gerne können Sie uns zusätzlich dazu erzählen was Ihnen zum Thema AWO und Ihrer Mitgliedschaft wichtig ist/war oder Sie schon immer mal loswerden wollten.

G. Klecker: Meine soziale Einstellung zu Menschen, die Hilfe benötigen stand immer im Mittelpunkt. Hilfsbedürftige Menschen sind u.a. Kinder und pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren sowie Menschen mit einem Handicap die wir gegenwärtig vordergründig betreuen. Die Finanzierung funktioniert da noch, und das ist gut so.

Ich lege aber auch Wert auf die soziokulturelle Vielfalt. Dazu gehören benachteiligte Randgruppen, denen nicht der nötige Respekt zuteil geboten wird. Wenn ich an Projekte denke, wie Asylheime, Frauenschutzhäuser und Obdachlosenunterkünfte, wo aus wirtschaftlichen Gründen der Rotstift angesetzt wird und nur noch das nötigste finanziert wird, mache ich mir Sorgen um die zukünftige Wohlfahrtspflege.  Man hat sich als Mitglied jahrelang um einen guten Ruf der AWO und des sozialen Wirkens eingesetzt, aber wo geht die Reise hin? Vielleicht sollte ich mich nicht so um die Zukunft sorgen. Man täuscht sich ja so oft im Leben. Aber als älterer Mensch grübelt man ständig. Hier sind meine vordergründigen Sorgenpunkte:

Erster Punkt: Die demographische Entwicklung wirkt sich bereits auf die Betreibung der Kitas aus. In wenigen Jahrzehnten wird es die Pflegeheime betreffen.
Zweiter Punkt: Die finanziellen Möglichkeiten werden knapper, viele Einrichtungen werden nicht mehr gefördert, und es ist kein Ende abzusehen.
Dritter Punkt: Die politische Kehrtwende (leider weltweit) bereitet mir ständig Bauchschmerzen. Ist es noch gewollt, dass die Schwächeren gefördert werden? Weg von der Vielfalt, hin zu nationaler Monotonie?  Ist die freie Wohlfahrtspflege dann noch gewollt, oder wird alles vom Staat gesteuert und geregelt?

Es ist gut zu wissen, dass wir eine gute und weitsichtige Geschäftsführung haben, die sich damit beschäftigt und den Vorstand mit einbindet.

Für seine Treue und das entgegengebrachte Vertrauen sowie seine Unterstützung in Zeit und Engagement zum Wohle der Menschen, die unsere Hilfe brauchen, sprechen wir Herrn Klecker unseren herzlichen Dank und Anerkennung aus.